Wolfgang Holzgreve: Mutter Kind Vorsorge in Entwicklungsländern

Wolfgang Holzgreve

Wolfgang Holzgreve

Müttersterblichkeit in der Dritten Welt
Die technologisierten und medizinisch gut ausgestatteten Wohlstandsgesellschaften sind sich dessen nicht bewusst, doch weltweit sterben immer noch rund 500.000 Frauen während der Schwangerschaft oder der Geburt an Komplikationen. Meist ist eine postpartale Hämorrhagie, eine lebensgefährliche nachgeburtliche Blutung, die Ursache dafür, wie man festgestellt hat. Die verlorene Blutmenge überschreitet dabei bei weitem den Blutverlust einer normalen Geburt. Der Grund ist, dass durch die Kontraktionsschwäche der Gebärmutter die Nachgeburt nicht wie notwendig ausgestoßen werden kann, was zu einer riskanten Blutung führt. Verliert die Frau mehr als ein Liter Blut, dann befindet sie sich in einem lebensgefährlichen Zustand.

In 80 Prozent aller Fälle könnte die gefährliche postpartale Blutung jedoch durch den Einsatz eines wirksamen und kostengünstigen Medikaments verhindert und so Menschenleben gerettet werden. Wissenschaftler befassen sich nun mit Methoden, um die Müttersterblichkeit in der Dritten Welt zu senken und damit auch der sozialen und medizinischen Problematik der mutterlosen Kleinkinder zu begegnen. Denn die Zahlen bedeuten implizieren auch, dass rund 500.000 Kinder weltweit ohne ihre leibliche Mutter aufwachsen. Müttervorsorge ist damit auch Kindesvorsorge.

Hilfe durch Capacity Building

Um die Müttersterblichkeit durch die postpartale Blutung weitgehend zu verhindern, sollen Erfahrungen der einkommensschwachen Länder der Dritten und Vierten Welt aus den Partnerschaftsprogrammen der Internationalen Gynäkologenvereinigung FIGO systematisch ausgewertet werden.

Eine wesentliche Rolle nimmt dabei das Medikament Misoprostol ein, wie Dr. med. Wolfgang Holzgreve, Professor für Geburtshilfe und Gynäkologie und vormals Leitender Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Freiburg, betont. Das Medikament sei preisgünstig und leicht zu verabreichen, so Holzgreve, wobei der Effekt groß sei. “Ich möchte mich dabei auf das kleine, rohstoffarme Land Eritrea konzentrieren, zum dem ich einen besonders guten Zugang habe”, so Holzgreve weiter. Eritrea gehört dabei zu den ärmsten Ländern der Welt. Angestrebt wird ein nachhaltiges Capacity Building, der Aufbau wirksamer Kapazitäten, die Müttersterblichkeit basierend auf den ausgewerteten wissenschaftlichen Daten weitgehend verhindern sollen.

Wolfgang Holzgreve

Wolfgang Holzgreve - Ultraschalltagung

Zur Person
Wolfgang Holzgreve, Dr. med., Dr. H.C. MULT., wurde 1955 am Möhnesee in Nordrhein-Westfalen geboren. Er studierte Medizin an der Universität Münster, der University of California und Berkeley. Er ist Mitglied im Wissenschaftskolleg zu Berlin, wo er unter anderem am Konzept des Capacity Building zur Senkung der Müttersterblichkeit arbeitet.